"Der Brettheim-Prozess"

(Hans Schultheiß, UA)

Württembergische Landesbühne Esslingen
Ausstattung: Anja Kreher
Spiel: Kim Patrick Biele, Claire Hordijk, Marcus Michalski, Oliver Moumouris, Reinhold Ohngemach, Reyniel Ostermann, Niklas Schmidt-Kosik
Premiere: 13. März 2026

Eine doppelte Tragödie. Am Ende des zweiten Weltkrieges: Hitlerjungen sollen eine Panzersperre errichten, um den Einmarsch der Amerikaner in den Ort Brettheim zu behindern. Doch der Krieg ist verloren. Das ist allen klar. Das Dorf droht, von den Amis zerstört zu werden. Brettheimer Bürger entwaffnen die Hitlerjungen und verjagen sie. Die SS kehrt zurück und sucht die „Wehrkraftzersetzer“. Ein Brettheimer gesteht die Tat. Er soll erschossen werden. Da sich der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter weigern, das Todesurteil zu unterschreiben, werden auch sie zum Tode verurteilt. Die Panzersperre wird wieder errichtet. Fast das komplette Dorf wird zerstört. Viele Menschen sterben. Mit der Uraufführung um den letzten Prozess über die Brettheimer Endkriegsverbrechen der Nazis erinnert das Theater Esslingen an den Irrsinn von fanatischer, tyrannischer Politik. Sinnlos gestern wie heute.

"Regisseur Martin Pfaff setzt mit dem Ensemble der Esslinger Landesbühne auf die menschliche Seite des Geschichtstheaters. (…) Dass ein Dokumentardrama im Gerichtssaal das Publikum schwerer zu berühren vermag, ist Regisseur Martin Pfaff bewusst. Deshalb bricht er in der Uraufführung der neuen Fassung den Raum auf. Die Akteure sitzen auf Stühlen vor dem Publikum. Sie tragen Pullover und Hosen in dunklen Tönen. Auf die Roben verzichtet Bühnen- und Kostümbildnerin Anja Kreher. Im Zentrum der Bühne hat sie die zwei Dorflinden nachgebildet, an denen die drei Männer erhängt wurden. So schafft sie Atmosphäre. Im Scheinwerferlicht leuchten die Baumkronen frühlingsgrün, später sind sie in bedrohliches Schwarz getaucht. (…) In der Rolle des Richters macht Marcus Michalski eine sehr souveräne und zugleich aalglatte Figur. Dennoch: Sein Ringen um Neutralität ist manchmal unerträglich. Die Kunst der kleinen, aber verräterischen Blicke und Gesten, die Martin Pfaff mit dem Ensemble großartig umsetzt, beherrscht Michalski perfekt. (…) Regisseur Martin Pfaff und den Schauspielern gelingt es, die menschliche Tragödie hinter den Gerichtsprotokollen und Dokumenten aufzuspüren, die Schultheiß in „Der Brettheim-Prozess“ sorgfältig dokumentiert hat. Von der Schwere der Prozessakten und Protokolle kann der Regisseur den Text zwar nicht befreien. Dennoch lenkt Martin Pfaff den Blick klug auf politische und juristische Diskurse, die in Zeiten rechtsradikaler Tendenzen in der Gesellschaft wieder aktueller sind denn je."
(Stuttgarter Zeitung)

"Regisseur Martin Pfaff und Bühnenbildnerin Anja Kreher setzen auf absolute Reduktion. (…) Aber eben diese Konzentration und eben dieses Wesentliche entfalten eine große Wucht. (…) Beim Ortstermin stehen die Akteure teilweise auf den Stühlen – wie ehedem Friedrich Hanselmann, Leonhard Gackstatter und Leonhard Wolfmeyer, bevor sie in den Tod gestoßen wurden. (…) Regisseur Pfaff verabschiedete die Brettheimer [Premieren-Delegation] persönlich und betonte, alle Schauspieler hätten „mit großem Respekt und mit großem Interesse“ an den Rollen gearbeitet. Norman Krauß [Leiter der Gedenkstätte] war gerührt: „Ich bin so dankbar, dass dieses Theater unsere Erinnerungsarbeit unterstützt. Das ist eine richtige Motivation, weiterzumachen.“"
(Südwest Presse Hohenlohe)


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