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Eine Gesellschaft am Kipppunkt. Die Anwesenheit der alten Dame stellt die Fragen: Was ist einem wichtig? Welche Werte werden über Bord geschmissen? Wie will man leben? Wieviel ist man bereit zu opfern für das große Geld? Erarbeitet wurde eine Fassung für nur vier Personen, die jeweils mehrere Rollen spielen. Zum einen wird so das Wimmelbild der Bürger*innen von Güllen auf zentrale Lebensstrategien destilliert: Lehrer (Idealist), Pfarrer (Opportunist), Bürgermeister (verbitterte Realpolitik), Ill (Depression), Ottilie (geschichtsvergessener Neoliberalismus) und alte Dame (amoklaufendes Opfer). Zum anderen kommt es zu zahlreichen gender- und age-cross-Besetzungen. Dadurch werden die besagten Lebensstrategien noch weiter ausgestellt. Darüber hinaus gewinnt der Abend mit all seinen Brüchigkeiten bei der Besetzung eine zusätzliche berührende und skurrile Note. Dem Grotesken, das Dürrenmatt so wichtig war, wird Tribut gezollt. Das Schräge oder Verworrene ist zugleich ein Mittel, um das Dystopische des Stückes zu unterstreichen. Gegen den zivilisatorischen Untergang ankämpfen tun die Figuren, indem sie, sobald es geht, an einen Flügel flüchten und Liebesslieder singen. Sie haben den Drang, den Urkeim der Liebe und der Hoffnung wieder freizuschaufeln: durch Gesang.
"(…) starker Premierenapplaus für das ganze Team. (…) Fabelhaft wie der weltbekannte Schweizer Autor Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990) sein dramatisches Tableau aufbaut. Und ebenso eindrucksvoll, wie das am Naumburger Theater, dem kleinsten des Landes, in Martin Pfaffs Inszenierung (…) nun nachvollzogen wird: mit ganzen vier Leuten, zwei Schauspielerinnen und zwei Schauspielern. Alle vier geben alles, damit der Abend zu dem bitterbösen Vergnügen wird, das Dürrenmatt mit seinem Stück anstiften wollte. (…) Hans-Georg Pachmann, der auch den bigotten Pfarrer spielt, gibt dieser Claire die tiefe Verletztheit, aus der sie handelt. (…) Ein famoser, anregender Abend."
(Naumburger Tageblatt)
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